Erfahrungsberichte von unseren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen



Helga Tuncay


Helga Tuncay, eine unserer Begleiterinnen schreibt am Ende gern eine kleine Geschichte.

Herr K.

Eine halbe Stunde lang.

Heute haben sie mich hinausgebracht, nach unendlich vielen Tagen hinausgebracht in das Licht der Sonne. Ich spüre sie, die Wärme der Sonne auf meiner Haut und den flüchtigen Wind in meinem Haar. Ich atme tief ein und schmecke den Frühling. Tränen rinnen über mein Gesicht. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen so blauen Himmel. Mit Respekt schaue ich auf die Unendlichkeit des Horizonts. Ich spüre die Erde unter meinen Füßen. Ich stehe bewegungslos da und fühle den stützenden Arm, der mir Halt gibt.
Und du hältst mich fest an der Hand.

Das Grau der letzten Wochen, das Weiß der vielen Kittel, die Tränen in langen Nächten, die Schmerzen und Ängste versinken im Boden. Eine halbe Stunde lang spüre ich, dass ich atme, dass ich lebe. Ich genieße den Augenblick, die Minuten und ich genieße deine Nähe. Ich bin glücklich, eine halbe Stunde lang.

Herr K. lebte noch mehrere Monate.

Es gab für Herrn K. noch viele besondere halbe Stunden. Herr K. saß im Rollstuhl und ich auf der Parkbank daneben. Wir erzählten, lauschten dem Zwitschern der Vögel, lachten so manches Mal herzlich und genossen die Natur.

Der letzte Tag.

Niemand weiß so wirklich, wann der letzte Tag sein wird. Und dann ist er gekommen, dieser letzte Tag.

Machen Sie es gut, lieber Herr K.

Ich öffne das Fenster.

„Wohin gehst du?“, frage ich die Seele.
„Ich möchte die Welt der Liebe erkunden“.






Christine Glaum
Meine Eindrücke seit Beginn der Begleitungen:

Während der Schulung zur ehrenamtlichen Begleiterin des Hospizvereins habe ich erklärt, dass meine Motivation daraus resultiert, dass ich viele junge Menschen auf ihrem Weg ins Leben begleitet habe. Ich dachte, es würde den Kreis schließen, auch Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben mir gezeigt, dass diese Entscheidung richtig war.
Ich sehe es als eine äußerst sinnvolle und erfüllende Aufgabe an, Menschen auf ihrem letzten, oft schwierigen Weg zu unterstützen. Ihnen die Möglichkeit zum Austausch zu geben, über Ängste und Befürchtungen sowie Erleichterung zu sprechen. Oder einfach nur ohne Worte für sie da zu sein und ihnen das zu geben, was sie gerade brauchen.
Meine erste Begleitung war anfangs nicht begeistert von meinen Besuchen. Eine leichte Demenz hinderte sie daran, sich an mich zu erinnern. Doch Blumen waren letztendlich der Weg des Wiedererkennens. Jede Woche brachte ich ihr einen Strauß Rosen, wodurch sie eine Verbindung zu mir herstellen konnte, und wir bauten eine gute Beziehung auf. Wir hatten wirklich schöne Zeiten miteinander.
Ich habe in einem Altenheim begleitet, und eine positive Begleiterscheinung meiner regelmäßigen Besuche und Unterstützung war die Entlastung der Mitarbeiterinnen. Das war anfangs überraschend für mich, doch ich finde es eine sehr positive Nebenwirkung.





Kerstin Rutz

Seit meinem Ausbildungsende im Juni 2023 habe ich bereits zahlreiche Erfahrungen gesammelt und kann ein erstes Fazit ziehen. Schon bald nach dem Abschluss habe ich meine erste Begleitung durchgeführt und bin mit einem gewissen Respekt an die Aufgabe herangegangen. Schnell stellte ich jedoch fest, dass ich meine eigenen Angelegenheiten vor der Tür lassen konnte. Sobald ich das Zimmer betrat und der zu begleitenden Person gegenüberstand, konnte ich mich voll und ganz auf sie einlassen und ihr meine volle Aufmerksamkeit und Zeit widmen. Diese Hingabe wurde mit großer Dankbarkeit und vielen Emotionen belohnt.
Nach mehreren Begleitungen kann ich sagen, dass die Entscheidung, diese Ausbildung zu machen, eine der besten meines Lebens war.



Hospizverein Langenhagen e. V. - Walsroder Straße 65 - 30851 Langenhagen - 0511 / 9402122